Kurzer Zeitabschnitt des KV Dirmstein „

Die Gaumekitzler“ 

Am 6. Februar 1952 wurde der Karnevalverein Dirmstein durch unseren  Ehrenpräsidenten, Erich Otto, gegründet. Den Ursprung zur Gründung eines Karnevalvereins in Dirmstein bildete eine Büttenrede beim Lumpenball 1951. 

Im Januar 1952 wurde der Bevölkerung mittels Postwurfsendung Gelegenheit gegeben, sich als Mitglied anzumelden. Am 6. Februar 1952 erfolgte dann die Anmeldung des Vereins bei der Gemeindeverwaltung. Vorher schon hatte der Verein heftige Geburtswehen, die aber die Gründer und die zunächst wenigen Getreuen nicht hinderten, aus dem Nichts heraus sofort zur 1. Veranstaltung am 9. Februar 1952 einzuladen. 

Gewiß war es ein Risiko, noch mehr aber war es vorher die Postwurfsendung. Heute lächelt man darüber, wenn man liest, dass damals ein Fünferrat mit Papierkappen residierte. Der Verein wurde noch 1952 Mitglied im „Verband Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine“. Nachdem in der damaligen Zeit wenig für die Weinwerbung getan wurde und das Park- und Weinfest in seinem Fortbestand gefährdet war, bildete der Verein einen Verkehrsausschuß und übernahm im Mai 1952 für 10 Jahre dieses Fest. An dieser Stelle sei auch an die Männer gedacht, die dies alles in die Wege leiteten. 

Allen voran der Gründer Erich Otto; es waren dies im Vorstand und Ausschuß: Otto Frischknecht, Theo Altmüller, Eduard Lommel, Jakob Raudasch, Emil Weyrauch, Willi Rübsamen, Wilhelm Bengel, Ernst Bachmann, Balthasar Schinke, Werner Fischer. 

Im Januar 1953 wurde von der Generalversammlung der 1. Elferrat des Vereins gewählt. Er bestand aus folgenden Mitgliedern: Präsident Erich Otto, Elferräte: Herbert Bauer, Adolf Eberle, Heinrich Eberle, Richard Hartmüller, Kurt Kaiser, Helmut Landin, Arthur Maurer, Willi Stein, Rudolf Storzum, Helmut Metzger und Richard Huber. Der Verein hatte 90 Mitglieder. Der Elferrat wurde mit violetten Umhängen ausgestattet. Die „Jung-Eulen“ der Gesellschaft „Eule“, Friesenheim, übernahmen mit viel karnevalistischem Prunk die Patenschaft. Ein Hausorden wurde geschaffen, der in diesem Jahr verliehen wurde. Der Verein trat dem Bund deutscher Karnevalvereine und dem Pfälzischen Verkehrsverband bei. Mitte des Jahres 1953 wurde der Verein in Vereinsregister eingetragen. Somit war ein solides Fundament geschaffen. 

Alle Veranstaltungen bis 1959 fanden im Saal Stadtfeld statt. Für die Prunksitzungen wurde eine zerlegbare Bühne mit entsprechenden Dekorationen gebaut. Es fanden Bürgerbälle, Preismaskenbälle, Kinderkostümfeste und natürlich die großen Prunk- und Fremdensitzungen statt. So wurde von den Mitgliedern während der Fastnacht und dem Park- und Weinfest gearbeitet und viel geopfert.

Dies ist das Erfreuliche; nicht umsonst, denn der Verein hat einen guten Namen, auch über die engere Heimat hinaus. Es folgten während der Jahre Beteiligungen an großen und größten Festzügen. Mehrmals wurden unsere Festwagen in Neustadt mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet, ja sogar mit dem 1. Preis beim größten Deutschen Winzerfestzug. Der Elferrat knüpfte während der Zeit immer neue Bande mit den umliegenden Vereinen. So wurde das erste Jubiläumsjahr 1957 erreicht.

In diesem Jahr war es dem Verein gelungen, erstmals eine Prinzessin zu krönen. Es war Ingrid I von der Pillenburg. 1957 wurde auch ein Spielmannszug erstellt. 

Nach Abspaltung einiger Spieler wurde ein Jahr darauf ein Fanfarenzug ins Leben gerufen. Dieser nahm fortan auch bei allen Festzügen und Veranstaltungen des Vereins teil. Der mit seiner modernen Weinwerbeuniform ausgestattete Fanfarenzug war bei allen Festleitungen und Verbänden gut angesehen und wurde immer wieder verpflichtet! Er brachte es im Jahr oft auf 20 Verpflichtungen. 

Ab 1959 stand der Saal Stadtfeld, die Geburtsstätte unseres Vereins, nicht mehr zur Verfügung. Es wurde ein Ausweichquartier gesucht und in Obrigheim im Rosengarten gefunden. Hier hielt der Verein fast 10 Jahre seine Prunksitzungen ab. Im Park fand das erste Sommernachtsfest statt. In diesem Jahr weilte unser Fanfarenzug in Nancy, Lugano uns Straßburg zu Gastspielen. Auch der Elferrat machte eine größere Reise zur Karnevalsgesellschaft Blau-Gelb Charlottenburg Berlin, worüber damals in Rundfunk und Presse ausführlich berichtet wurde. Das harmonische Zusammenwirken von Elferrat, Fanfarenzug, Verkehrsausschuß und Mitgliedern hat vieles zu dieser Zeit ermöglicht und sich als richtig erwiesen. 

So wurde mit viel Mühe und Fleiß aller, allen Voran der 1. Vorsitzende und Präsident Erich Otto, das 11. Jubiläum 1963 erreicht. Das hervorragenste Ereignis war die Prunk- und Fremdensitzung in Obrigheim, bei der die Königin von Nancy mit Gefolge und eine Abordnung von Blau-Gelb Charlottenburg Berlin anwesend waren. Der Maskenball und das Kinderkostümfest wurden in Dirmstein im Saal „Drei Könige“ abgehalten. Ehrensenator Dr. Eux Stocke stiftete zum Jubiläum einen herrlichen Porzellanorden. Elferrat und Fanfarenzug nahmen in diesem Jahr beim Europäischen Karneval in Straßburg teil. Das Jubiläumsjahr konnte als voller Erfolg für den Verein verbucht werden. 

Im Jahre 1965 wurde 14 Tage vor dem Parkfest unsere Ausschankhalle durch ein schweres Unwetter zerstört. In knapp 10 Tagen wurde danach von der Firma Stocke eine neue Ausschankhalle zum Preis von ungefähr 25.000,00 DM errichtet.

In diesem Jahr hatte auch das Park- und Weinfest seine Höhepunkte.

Ab 1965 ging der Umsatz fast stetig zurück. 1966 löste Willi Sauer den bisherigen 1. Vorsitzenden, Erich Otto, ab. In diesem Jahr konnten wir auch unsere Prunksitzung wieder in Dirmstein abhalten und zwar in der alten Turnhalle. Für den Elferrat war es eine große Erleichterung, wieder in der Heimat zu sein. Dem Verein ist es auch gelungen, eine Garde ins Leben zu rufen. Auch residierte nach 10 Jahren wieder eine Prinzessin in unserem Verein. Der Verein hatte auch Schattenseiten. So musste der weithin bekannte Fanfarenzug aus personellen Gründen aufgelöst werden. Ebenso die Garde 2 Jahre später. Das Park- und Weinfest, mittlerweile das größte Sorgenkind des Vereins, musste 1971 aufgegeben werden. Dauernde Umsatzeinbußen zwangen den Verein zu diesem schmerzlichen Schritt, da hiermit ein langjähriges Volksfest aus unserer Heimat nicht mehr existierte. 

Schwere Sorgen bereiteten dem Verein in diesem Jahr auch die Prunksitzungen. Der Besuch dieser Veranstaltungen war immer sehr mäßig, obwohl sich der Elferrat bemühte, das Beste zu bieten. Auf der anderen Seite waren zu dieser Zeit unsere Maskenbälle ein Renner, es wurden oft bis zu 4 Stück in einer Saison abgehalten. Wie wir wissen, hat sich dieses in den letzten Jahren wieder gewandelt. So wurde mit großem Elan und viel Arbeit für alle Aktiven das Jubiläumsjahr 1974 erreicht.

Eine neue Bühne und neue Dekorationen wurden angeschafft. Auch war es bisher gelungen, alle Jahre eine Tollität zu krönen, was bis heute beibehalten wurde. Der Elferrat knüpfte auf Vermittlung des damaligen Präsidenten der Badisch-Pfälzischen Karnevalvereine, Herrn Fleischmann, Bande mit dem Mödlinger Förderungsverein in Österreich. Diese Verbindung mit wechselseitigen Besuchen hat bis heute Bestand. Ebenso wurden mit vielen Vereinen aus unserer engeren und weiteren Heimat neue und alte Bande aufgefrischt bzw. geknüpft. Im Jubiläumsjahr waren ein Jubiläumsball mit Ehrungen, eine große Prunksitzung, 3 Maskenbälle, ein Kindermaskenball und ein Bürgerball die herausragenden Ereignisse. Der Elferrat legte sich neue Komiteemützen zu und eine Kindergarde wurde gegründet. Der Elferrat hielt auch in diesem Jahr zwei Fremdensitzungen in Imsbach und Mutterstadt ab. Zum Abschluß der Saison besuchten die Prinzessin und einige Elferratsmitglieder unsere Freunde in Mödling. In den folgenden Jahren wurde unsere Prunksitzung immer zum Höhepunkt unseres Vereins. Einige Kräfte, ob Büttenredner/innen oder Sänger – die alten und jungen Aktiven – sie prägten die Fasnacht bis heute. Ein Höhepunkt in der jüngsten Zeit war die Verleihung der „Goldenen Traube“, die in Handarbeit von unserem Aktiven, Arthur Maurer, gefertigt wird. Ebenso 1982 die Vorderpfälzer Fasnacht. 1981 wurde wieder eine große gemischte Garde gegründet und 1983 mit neuen Kostümen ausgestattet. 

Im Jahre 1985 konnte nun das 33. Vereinsjubiläum gefeiert werden, bei dem die Verleihung der „Goldenen Traube“ an Herrn Dr. Willi Scheu aus Mainz hervorzuheben ist. Weitere Höhepunkte in den Jahren 1985 und 1986 waren zwei Prunksitzungen, die in der Donnersberghalle in Rockenhausen abgehalten wurden. In dieser Zeit begann auch eine weitere Tradition: Die Übernahme des Rathaus-Schlüssels und der Geschäfte der Dirmsteiner Verwaltung.

Die Zahl der Maskenbälle ging immer weiter zurück, worauf man versuchte, die Bälle mit dem Dirmsteiner Spielmannszug zu beleben. Leider konnte auch dieser Einsatz die Maskenbälle nicht retten, so dass sie mit großem Bedauern eingestellt wurden. 

Im Jahr 1988 veranstaltete der Karnevalverein Dirmstein nach 1982 zum zweiten Mal die Vorderpfälzer Fasnachtssitzung des Bezirk Vorderpfalz der Badisch-Pfälzischen Karnevalvereine. 

1991 wurde dem Karnevalverein Dirmstein ein Raum im alten Rathaus zur Verfügung gestellt. Mit viel Arbeit wurde der Raum hergerichtet und präsentiert sich heute als kleines Schmuckstück des Vereins. Bei der Einweihung im November 1992 wurde der Raum auf den Namen „Löwenstube“ getauft.

Die Aktivitäten außerhalb der Fasnacht wurden ausgeweitet. So beteiligte sich der Verein alljährlich bei der Dirmsteiner Weinkerwe, des Weiteren wird im Sommer ein Grillfest auf dem Schlossplatz abgehalten und als Jahresabschluß eine Weihnachtsfeier.

Einige mehrtägige Ausflüge in den Hunsrück, den Pfälzerwald, den Schwarzwald, ins kleine Walsertal und ins Paznauntal in Tirol wurden unternommen. Über allem standen jedoch unsere Faschingsveranstaltungen immer im Vordergrund. 

Im Jahr 1996 konnten wir 4 x 11 Jahre feiern. Viele befreundete Karnevalvereine, die Dirmsteiner Vereine und unsere Gäste aus Mödling, Altshausen, und Zottegem (Belgien) haben uns dabei unterstützt. Im Sommer 1996 wurde das Alte Rathaus durch die Gemeinde  Dirmstein total saniert. Auch unsere „Löwenstube“ wurde durch die KVD-Mitglieder wieder renoviert. Durch ein Einweihungsfest der 5 Vereine im Alten Rathaus wurde die Renovierung gebührend gefeiert. Seit 1996 beteiligen wir uns an der Dirmsteiner Kerwe, die wir im Hof des Gasthauses Bengel ausrichten. Hierfür bedanken wir uns recht herzlich bei der Fam. Roland Bengel.

Natürlich wurden auch alle Jahre unsere Fastnachtsveranstaltungen durchgeführt, die an erster Stelle standen. Im Jahre 1998 bestand unsere Verbindung zum Mödlinger Förderungsverein über 30 Jahre, was eine stolze Zeit ist. Seit einigen Jahren hat unser Verein auch wieder Tanzmariechen und seit 1999 wurden mehrere Garden ins Leben gerufen.

Zwischenzeitlich ist Anzahl der aktiven Kinder und Jugendlichen auf über 70 angewachsen.

Es wäre müßig, alle Veranstaltungen und sonstige Aktivitäten der letzten Jahre aufzuschreiben. Sie waren – wie die Jahre davor – für alle mit viel Fleiß, Arbeit und Idealismus gepflastert. Mit dem Verein sind in seiner Geschichte noch viele Namen verbunden, die nicht oder nur teilweise erwähnt wurden.

Sie werden es dem Schreiber dieser Zeilen verzeihen – es würde den Rahmen dieses kurzen Zeit-Abrisses sprengen.

Mit einem Dank an alle, die dem Verein ein guten und in schlechten Zeiten beistanden, möchte ich schließen.

 

Josef Loske